|
|
Next: Galaxien, Gruppen, Haufen
Up: AstroEin
Previous: Sterne
Abbildung 4.0: Weitwinkelaufnahme der
Milchstrasse
|
In einer lichtarmen Umgebung mit klarer, trockener Luft erkennt man
mit blossem Auge ein milchiges Band, das sich über den ganzen
Himmel erstreckt. Wegen seiner Erscheinungsform nennt man es die
Milchstrasse oder die Galaxis. Von mittleren nördlichen
Breiten der Erde gegen 23 h aus betrachtet, liegt die Milchstrasse im Frühjahr
fast parallel zum Horizont, im Spätsommer taucht sie fast im rechten
Winkel ziemlich genau im Süden unter den Horizont und
überstreicht annährend parallel zum Meridian den Himmel.
In diesem Kapitel:
Die eigentliche Natur der Milchstrasse hat sich erst im Laufe der
Zeit enthüllt. Und auch heute noch ist unser Bild längst nicht
vollständig. Erst 1994 wurde zum Beispiel eine Zwerggalaxie namens
Sagittarius entdeckt, die fast mit der Milchstrasse kollidiert (sie
wird es später wirklich einmal tun). Eine kurze Chronik zur
Entdeckung der Milchstrasse:
- um 400 v. Chr. vermutet der Grieche Demokrit, dass sich die
Milchstrasse aus vielen lichtschwachen Sternen zusammensetzt.
- 1610: Galileo Galilei beobachtet mit seinem Fernrohr die
Milchstrasse und erkennt, dass sie sich in einzelne Sterne
auflösen lässt.
- 1612: Simon Marius entdeckt den Andromeda Nebel.
- 1618: Johann Babtist Cysat beobachtet den Orionnebel.
- 1718: Edmund Halley vergleicht den Sternkatalog von
Hipparchos von Samos (um 150 v. Chr. entstanden) mit neueren
Sternkatalogen und entdeckt die Bewegung von Fixsternen.
- 1725: John Flamsteed erstellt einen Positionskatalog aller
am Nordhimmel beobachtbaren Sterne bis zu 7 mag (Historica
coelestis Britannica). Es sind etwa 3000 Sterne.
- 1750: Thomas Wright stellt sein Modell vom Universum vor:
A New Hypothesis of the Universe
- 1755: Immanuel Kant veröffentlicht sein Werk:
Allgemeine Naturgeschichte und Theorie des Himmels oder der
Versuch von der Verfassung und dem mechanischen Ursprungs des
ganzen Weltgebäudes, nach Newtonschen Grundsätzen abgehandelt
- 1761: Johann Heinrich Lambert schreibt in seinen
Kosmologischen Briefen: Das ganze System der Fixsterne bildet
eine Scheibe, deren Durchmesser viel grösser ist als ihre Dicke.
- 1762: John Bradley gibt seinen Sternkatalog heraus. Die
Genauigkeit der Positionen liegt bei 2 arcsec. Zum Vergleich (D
ist der Durchmesser der Sonne):
- Hipparchos (150 v. Chr.): 240 arcsec (1/10 D
)
- Brahe (1572): 25 arcsec (1/100 D
)
- Bradley (1762): 2 arcsec (1/1000 D
)
- Bessel (1838): 0.7 arcsec
- Küstner (1900): 0.27 arcsec (1/10000 D
)
- Hipparcos-Satellite (1989): 0.002 arcsec (1/100000 D
)
- 1784: Charles Messier publiziert ein Verzeichnis von 103
nebligen Objekten.
- 1814 - 1817: Friedrich Wilhelm (William) Herschel, der
Entdecker des Uranus, schreibt mehrere Arbeiten über die
räumliche Verteilung der Sterne und der Milchstrasse. Daneben
erstellt er zusammen mit seiner Schwester Caroline einen Katalog von
2500 Nebeln, der die Grundlage des NGC-Katalogs wird. Er erkennt
die physikalische Natur der Doppelsterne und kann an ihnen die
Gültigkeit der Newtonschen Gravitation ausserhalb des
Sonnensystems beweisen. Für eine spezielle Klasse von Nebeln
prägt er den Ausdruck Planetarische Nebel. Nebenbei hat
er noch 2 Saturnmonde entdeckt.
- 1838: Friedrich Wilhelm Bessel, F.G.W. Struve und T.
Henderson können die Parallaxen von 61 Cyg und
Cen
messen. Es ist die erste verlässliche Bestimmung einer
Entfernung zu einem Stern und war ein wichtiger Nachweis für
die Korrektheit des heliozentrischen Modells.
- 1845: Lord William P. Rosse erkennt die Struktur der
Spiralnebel.
- 1860 - 1870: Angelo Secci wendet die Spektroskopie auf
Fixsterne an und beginnt damit die Spektralklassifikation.
- 1864: William Huggins bemerkt die Emissionslinien in den
Spektren von Nebeln.
- 1898: Hugo Seeliger und Jakobus Kapteyn untersuchen mit
statistischen Methoden die räumliche Verteilung der Sterne.
- 1904: Johannes Hartmann findet die ruhenden Kalziumlinien
und schliesst auf ihren interstellaren Ursprung.
- 1912: Vesto M. Slipher zeigt, dass das Leuchten von
gewissen Nebeln auf die Reflexion von Sternlicht
zurückzuführen ist. Damit ergibt sich eine Unterscheidung in
selbstleuchtende Gasnebel und Reflexionsnebel.
- 1918: Harlow Shapley untersucht die räumliche Verteilung
der Kugelsternhaufen und zeigt, dass die Sonnen nicht im Zentrum
der Milchstrasse steht.
- 1920: Max Wolf beweist mit Hilfe von Sternzählungen die
Existenz von Dunkelwolken.
- 1922: Edwin P. Hubble entdeckt den Zusammenhang von
Emissionsnebel und Sternen von Spekraltyp O und B: nur dann treten
Emissionslinien in der Wolke auf.
- 1923: E.P. Hubble bestimmt mit Hilfe veränderlicher Sterne
die Entfernung zur Andromeda-Galaxie.
- 1925: Jan H. Oort und Bertil Lindblad entdecken die
differentielle Rotation der Milchstrasse.
- 1932: Karl G. Jansky empfängt Radiostrahlung mit einer
Wellenlänge von 12 bis 14 Metern aus der Milchstrasse.
- 1944: Walter Baade führt das Konzept der Sternpopulationen ein.
- 1945: Hendrik van de Hulst weist darauf hin, dass im
Universum eine Spektrallinie von neutralen Wasserstoff bei 21 cm
beobachtbar sein müsste. Sie wird 1949 gefunden.
- 1965: Arno A. Penzias und Robert W. Wilson entdecken die
kosmische Hintergrundstrahlung.
- 1968: S.Jocelyn Bell und Antony Hewish entdecken den ersten
Pulsar.
- 1987: Aufleuchten der Supernova SN 1987 A in der Grossen
Magellanschen Wolke.
- 1994: R.A. Ibata, G. Gilmore und M. Irwin entdecken die
Sagittarius-Zwerggalaxie.
zum Seitenkopf, zum Inhaltsverzeichnis dieser
Seite
In der Abbildung 4.1 ist die Milchstrasse schematisch
dargestellt und als Vergleich eine ähnliche Galaxie von der Kante
her gesehen (edge-on), also aus der Position, wie wir die
Milchstrasse auch sehen. Kurz zusammengefasst ist die Milchstrasse
eine Scheibengalaxie, sie besteht vor allem aus Sternen, Gas, Staub,
Planeten und Dunkler Materie und wird durch die Gravitation
zusammengehalten. Man kann sie in die Komponenten Bulge (die zentrale
Verdickung), Scheibe, Halo und Korona einteilen. In
der Scheibe kann man einen Staubstreifen erkennen, der durch Gas-,
Molekül und Staubwolken verursacht wird. Da wir uns innerhalb der Scheibe
befinden, können wir entlang der Scheibenebene nicht sehr weit
sehen im Vergleich zu senkrecht dazu. Das kann eindrücklich an der Verteilung
der Galaxien am Himmel demonstriert werden (siehe Abbildung 4.2).
Abbildung 4.1:
Oben: Schematischer Aufbau der Milchstrasse.
Unten: Eine vergleichbare Galaxie wie die Milchstrasse von der
Kante her gesehen. Dieses Bild ist, wie man es in der Astronomie
häufig findet, in der Negativdarstellung. Das heisst, helle Stellen
am Himmel sind hier dunkel und Himmelsregionen weiss.
|
|
Abbildung 4.2:
Verteilung von 14650 hellen Galaxien am Himmel.
Deutlich ist das Band der Zone of Avoidance sichtbar, in der es
scheinbar keine Galaxien gibt. Tatsächlich wird ihr Licht von den
Gas- und Staubwolken in der Scheibenebene der Milchstrasse absorbiert.
Der mit G.C. bezeichnete Punkt ist das Zentrum der Galaxis (Galactic
Center; im englischen Sprachgebrauch ist Galactic oder Galaxies immer
gross geschrieben, wenn es die Milchstrasse bezeichnet; wenn es klein
geschrieben ist, bezeichnet es andere Galaxien.).
|
|
Um ein wenig Gespür für die Anzahl der Sterne in der Milchstrasse
zu bekommen, kann man eine einfache Abschätzung vornehmen: die
Distanz zum nächsten Stern,
Centauri, ist etwa 1.3 parsec.
Die Scheibe der Milchstrasse ist 30 kpc im Durchmesser und etwa 1 kpc
dick. Wieviel Sterne hat die Milchstrasse in etwa? (man macht am
einfachsten die Annahme, die Milchstrasse sein ein Zylinder;
;
man kann als mittlere Distanz zwischen
den Sternen 1 pc verwenden).
Um sich trotz der grossen Zahlen eine Vorstellung der Abstände der
Sterne in den verschiedenen Komponenten der Milchstrasse und
ähnlicher Galaxien machen zu können, sind in Tabelle
4.2 diese
Grössen in einem handlichen Massstab von
1:1392000000000 angegeben.
Tabelle:
Durchschnittliche Sternabstände in verschiedenen
Komponenten der Milchstrasse im Massstab 1:1392000000000.
| |
|
| Sonnendurchmesser |
10.9 cm |
| in der Galaktischen Scheibe |
3144 km |
| in offenen Sternhaufen |
250 km |
| in Kugelsternhaufen |
58 km |
| im Zentrum der Galaxis |
7 km |
zum Seitenkopf, zum Inhaltsverzeichnis dieser
Seite
Aufnahmen von anderen Scheibengalaxien wie der Andromedagalaxie zeigen
helle Arme, die spiralförmig aufgewickelt sind. In diesen
Spiralarmen ist mehr Gas vorhanden als sonst in der Scheibe.
Durch eine Stossfront wird das Gas komprimiert und kann Wolken und
in den Wolken Sterne bilden. Vor allem die massereichen jungen Sterne
leuchten extrem hell und lassen so die Spiralstruktur hervortreten.
Über das Zustandekommen der spiralförmigen Störungsfront gibt
es noch keine etablierte Theorie.
Würden die Sterne einfach stillstehen, würde die Anziehungskraft
sie dorthin ziehen, wo am meisten Masse vorhanden ist, also ins Zentrum
der Galaxis. Die Sterne würden zum Zentrum der Galaxis
beschleunigt werden (genauso wie ein Apfel vom Baum oder ein kaputtes
Flugzeug auf die Erde hin) und dort einen riesen Wirbel veranstalten. Die
Milchstrasse würde wie ein Kartenhaus zusammen fallen. Das wäre
nicht gut.
Eine Möglichkeit zur Stabilisierung der Galaxis ist es, die Sterne
um das Zentrum kreisen zu lassen. Dann wirkt der Anziehungskraft zum
Zentrum die Zentrifugalkraft (wie im Kettenkarusell) entgegen, und
die Sterne bleiben immer in etwa gleich weit von dem Zentrum
entfernt. Wie kann man diese Rotation bestimmen? Man könnte
Radialgeschwindigkeiten von Sternen messen. Unter
Radialgeschwindigkeit versteht man den Anteil der
Gesamtgeschwindigkeit eines Sternes entlang der Verdbindungslinie von
uns zum Stern. Das hat den Nachteil, dass
man das für sehr viele Sterne machen müsste, von denen man auch
noch die Entfernung braucht. Von weit entfernten Sternen aber kann
man keine guten Spektren aufnehmen, und darum auch keine
Radialgeschwindigkeiten bestimmen. Auch die Entfernungen sind umso
schwieriger zu messen, je weiter die Sterne entfernt sind.
Eine bessere Methode ist die
Messung von Radialgeschwindigkeiten von Wolken neutralen Wasserstoffs,
sogenannte H I Wolken. Das Prinzip ist in Abbildung 4.3
dargestellt. Vom Sonnensystem beobachtet man entlang
einer galaktischen Länge l mit einem Radioteleskop. Man findet
eine Überlagerung von vielen Wolken entlang der Sichtlinie, z.B. in
P und T. Wenn die Wolken auf Kreisbahnen umlaufen, wird die Wolke am
schnellsten sein, die wir am Tangentialpunkt beobachten können.
Wenn man also immer die schnellsten Wolken nimmt, und das für eine
Reihe galaktischer Längen wiederholt, kann man ein Rotationsprofil
der Milchstrassenscheibe erstellen. Allerdings nur bis zum Abstand der
Sonne. Für weiter aussen liegende Teile der Milchstrasse muss man
andere Verfahren anwenden, die leider weniger zuverlässige
Ergebnisse bringen.
Abbildung 4.3:
Prinzip der Messung der galaktischen
Rotationsgeschwindigkeit. Vom Ort der Sonne/Erde beobachtet man
entlang einer galaktischen Breite l mit einem Radioteleskop im
Bereich 21 cm Wellenlänge. Man empfängt ein Signal, das aus der
Überlagerung vieler Wolken zusammengesetzt ist, z.B. beim Punkt P
und T liegenden. Im einfachsten Fall befinden sich die Wolken auf
Kreisbahnen, und somit sollten die Wolken am schnellsten sein, die
genau entlang unserer Sichtlinie laufen (am Punkt T), denn die
anderen Wolken haben nur einen Teil ihrer Geschwindigkeit entlang
unserer Sichtlinie (z.B. die bei Punkt P). Wenn man die jeweils
grösste Geschwindigkeit an jeder galaktischen Länge l misst und
aufträgt, erhält man das Rotationsgeschwindigkeitsprofil der
Milchstrasse. Für entfernte Scheibengalaxien, die man von der Kante
her sieht, funktioniert die Methode analog.
|
|
Wie bereits angedeutet, sind in der Scheibe der Galaxis Gas und
Sterne in einer Wechselwirkung zueinander. Aus dem Gas entstehen vor
allem entlang der Spiralarme Sterne, die sich entwickeln und in Form
von Sternwinden oder als Supernovae oder Planetarischen Nebel Gas
wieder an das Interstellare Medium (ISM) zurückgeben können.
Dieser Kreislauf ist in Abbildung 4.4 schematisch dargestellt.
Abbildung 4.4:
Materiekreislauf im Universum. Eine gute Vorlage
für ein Recyclingkonzept. Aus den primordialen Elementen
Wasserstoff und Helium entsteht eine erste Generation von Sternen,
in deren Kernen Wasserstoff und Helium zu schwereren Elementen (in
der Astronomie Metalle genannt) fusioniert werden. Durch
Sternwinde (und Ähnliches wie Novae) und Prozesse am Lebensende der Sterne
(Planetarische Nebel, Supernovae) werden diese Metalle in das
Interstellare Medium zurückgegeben, wo sie sich mit Molekülwolken
vermischen (und diese mit schwereren Elementen als Wasserstoff und
Helium anreichern). In diesen Wolken entstehende Sterne können dann
auch Planetensysteme wie das Sonnensystem bilden.
|
|
Diese Umwandlungsprozesse sind nicht überall in der Scheibe gleich.
Es passiert mehr, wo mehr Material vorhanden ist, also gegen das
Zentrum der Milchstrasse hin. Da Staub vor allem in den Hüllen von
Roten Riesen entsteht, ist der Staubanteil im Zentrum der Galaxis am
grössten und fällt nach aussen hin stark ab. Das molekulare Gas,
aus dem die Sterne entstehen, ist am häufigsten in den mittleren
Zonen der Scheibe zu finden, und das atomare Gas (H I) nimmt nach
aussen hin zu.
Wir befinden uns derzeit in einer Art Blase, die man die local bubble
nennt. Diese Blase wurde von einer Supernovaexplosion gebildet.
Abbildung 4.5 zeigt den schematischen Aufbau.
Abbildung 4.5:
Die local bubble, in der wir uns befinden. Sie
ist durch mindestens eine, wahrscheinlich mehrere
Supernovaexplosionen entstanden. Das von diesen ausgestossene Gas
stösst in der Scheibenebene der Milchstrasse mit anderen Gasmassen
zusammen. In diesen Zonen können Sternentstehungsgebiete auftreten.
Ausserhalb der galaktischen Scheibe ist die Gasdichte gering, und die
Supernovaewinde können sich praktisch ungehindert ausbreiten. Die
dort starkt aufgebläht Blase brachte diesem Symptom den Namen
Champagnereffekt ein. (Grafik: Markus Samland)
|
|
Den zentralen Bereich mit 1 bis 3 kpc Durchmesser nennt man den
Bulge. Der Bulge hat eine Masse von etwa 2 Milliarden Sonnenmassen und
hat die höchsten Stern- und Gasdichten in der Milchstrasse. Die
genaue Strukur des Bulges ist sehr schwer zu untersuchen, da Gas und
Staub in der Scheibe den Blick verhindern. Mit Radiotechniken konnte
man nachweisen, dass die Milchstrasse wie einige andere
Scheibengalaxien auch einen Balken hat. Ganz im Zentrum des Bulges
vermutet man ein Schwarzes Loch mit etwa 1 Million Sonnenmassen.
zum Seitenkopf, zum Inhaltsverzeichnis dieser
Seite
Man unterscheidet zwei Arten von Sternhaufen: Offene und
Kugelsternhaufen. Bekannte Vertreter der Offenen Sternhaufen sind die
Plejaden, die Hyaden, die Praesepe und der Doppelsternhaufen h und
Persei. Kugelsternhaufen sind beispielsweise
Centauri,
47 Tucanae oder M 13 im Herkules.
Die Hyaden sind der uns am nächsten liegende Sternhaufen und ist
darum vom herausragender Bedeutung. Speziell für die sogenannte
kosmologische Distanzleiter ist dieser Haufen wichtig, da er der
einzige ist, zu dem man einen guten Wert für seine Entfernung
mittels statistischer Parallaxen und, seit der Veröffentlichung der
Daten des Hipparcos-Satelliten, auch mit dessen direkten Parallaxen
bestimmen kann. Man erhält einen Wert von 48
2.5 parsec.
Dabei ist ein Problem, dass man möglichst alle Haufenmitglieder
finden muss, um den Mittelpunkt korrekt zu bestimmen, da die
Ausdehnung Offener Haufen zwischen 1 und 20 parsec betragen kann. Im
Fall der Hyaden fand man eine Wert von 4 parsec für den Durchmesser.
Nachdem man die Entfernung bestimmt hat, kann man ein
Farben-Helligkeitsdiagramm des Sternhaufens anfertigen (vergleiche
mit Abbildung 3.2, rechtes Bild). Mit diesem kann man
dann die Entfernung zu weiter entfernt liegenden Offenen Haufen
bestimmen, in dem man von diesen ebenfalls
Farben-Helligkeitsdiagramme erstellt und diese so relativ zu dem der
Hyaden verschiebt, dass die Hauptreihen übereinander zu liegen
kommen. Aus der nötigen Verschiebung kann man die Entfernung zu dem
neuen Haufen berechnen. Diese Methode nennt man Hauptreihenfit.
Leider ist nämlich keiner der etwa 350 Sterne der Hyaden eine
Standardkerze, z.B. ein -Cepheid, welchen man über die
bekannte Haufendistanz eichen könnte. Da -Cepheiden sehr
hell sind, kann man sie in sehr grossen Distanzen (sogar in Galaxien
bis zum Virgohaufen) vermessen, und über ihre
Perioden-Helligkeits-Beziehung die Entfernung einfach bestimmen.
Weiter entfernte Haufen enthalten -Cepheiden, und so muss man
den Zwischenschritt über den Hauptreihenfit machen.
Die meisten Offenen Sternhaufen haben Durchmesser von 2 bis 6 parsec
und zwischen 10 und einigen tausend Mitgliedssternen. Die Sterndichte
in den Offenen Sternhaufen ist im Mittel um das Zweihundertfache
höher als in der Sonnenumgebung. In M 11, einem extremen Fall, sind
die Sterne sogar tausendmal dichter als in unserer unmittelbaren
Umgebung. Die Hyaden haben nur ein etwa dreissigmal höhere Dichte.
Die offenen Haufen sind in der
Regel relativ junge Gebilde - die Plejaden sind etwa 60 Millionen
Jahre alt. Die ältesten Offenen Sternhaufen sind allerdings etwa 8
Milliarden Jahre alt. Wie alle Offenen Sternhaufen liegen die
obengenannten Haufen in oder nahe der Scheibenebene der
Milchstrasse. Aufgrund der Wechselwirkung mit anderen Haufen (die
Milchstrasse hat vermutlich 15000 bis 20000 davon, auch wenn man bislang
nur etwa 1200 kennt) und mit einzelnen Sternen in der Scheibe der Galaxis
lösen sich die Offenen Haufen auf, wobei zu Beginn vor allem die
massearmen Haufenmitglieder herausgeschleudert werden können.
Lockere und kleinere Haufen wie die Hyaden tun dies in einigen hundert
Millionen Jahren, kompakte Haufen wie die Plejaden können mehrere
Milliarden Jahre überleben.
Kugelsternhaufen oder Kugelhaufen sind fast kugelsymmetrische
Sternhaufen, die sich sphärisch um die Milchstrasse verteilen. Sie
enthalten einige zehntausend bis zu 10 Millionen Sterne und haben
Durchmesser zwischen 5 und 110 pc. Die Sterndichten in den zentralen
Bereichen der Kugelhaufen sind etwa tausend- bis zehntausendmal
höher als in der Sonnenumgebung. Zur Milchstrasse gehören etwa
150 Kugelhaufen, die bis zu etwa 120 kpc (Kiloparsec) vom
Milchstrassenzentrum entfernt sind. Entfernungen zu Kugelsternhaufen
misst man heute vor allem über RR-Lyrae Sterne. Das ist eine Art von
Veränderlichen Sternen, die praktisch alle gleich hell sind. Shapley
benutzte zu Beginn des 20. Jahrhunderts den -Cepheiden
verwandte W-Virginis Sterne, die allerdings leuchtschwächer sind als
die Originale, was dazu führte, dass Shapley die Grösse der
Milchstrasse überschätzte. Allerdings konnte er mit seinen
Entfernungsmessungen zu den Kugelsternhaufen zeigen, dass die Sonne
nicht wie bis anhin üblicherweise angenommen, im Zentrum der Galaxis
steht, sondern weit ausserhalb am Rand der Scheibe.
Die Verteilung der galaktischen Kugelsternhaufen ist in den Abbildungen
von 4.6 gezeigt.
Abbildung 4.6:
Die Verteilung der Kugelsternhaufen der Milchstrasse
in der Sicht auf die Scheibe. Die Sonne ist durch einen Stern markiert,
das galaktische Zentrum ist in der Mitte. (Grafik: Markus Samland)
|
|
zum Seitenkopf, zum Inhaltsverzeichnis dieser
Seite
Bevor die nackten Kennzahlen der Milchstrasse präsentiert
werden, sollen die wichtigsten Grössenverhältnisse in der
Milchstrasse noch in einem stark verkleinernden Massstab dargestellt
werden. Diese sind in Tabelle 4.4 zu
finden.
Tabelle:
Grössen in der Milchstrasse im Massstab 1:1392000000000.
| |
|
| Schweiz |
0.02 mm |
| Deutschland |
0.08 mm |
| Erddurchmesser |
1 mm |
| Sonnendurchmesser |
10.9 cm |
| Durchmesser Sonnensystem |
462 m |
| nächster Stern |
3144 km |
| Sonne-Zentrum der Galaxis |
19349000 km |
| Durchmesser der Galaxis |
120900000 km |
Die Milchstrasse in Zahlen:
- Hubble-Typ: Sbc oder SBbc
- Gesamtmasse:
- Bulge-Masse:
- Scheibenmasse:
- Sterne und Planeten: 70 bis 90 % der Masse
- Interstellares Medium: 10 bis 30 % der Masse
- Dunkle Materie: ?
- Abplattung des Bulge: 0.85
- effektiver Bulgeradius: 2.7 kpc
- Skalenlänge der Scheibe: 2 - 4 kpc
- Dicke der Gasscheibe: 0.1 kpc
- Dicke der Sternscheibe: 0.2 - 1.0 kpc
- Rotatiosgeschwindigkeit: 220 km/s
- Gasgehalt der Scheibe: 30 - 50 %
- Zahl der Sterne: 200 - 300 Milliarden
- Zwergsterne: 100 Milliarden
- Neutronensterne: 1 Milliarde
- Schwarze Löcher: 200 Millionen
- massereiche OB-Sterne: 34000
- Planetarische Nebel: 12000
- Supernova-Überreste: 400
- Kugelsternhaufen: 200
- Sternentstehung: 2 - 5
pro Jahr
- Weiteres: Hochgeschwindigkeitswolken, der zentrale Balken,
Dunkle Materie, HII-Regionen, Spiralarme, ...
Next: Galaxien, Gruppen, Haufen
Up: AstroEin
Previous: Sterne
|